Der fliegende Fotograf
Das Institut, an dem ich arbeite, bekommt zur Zeit einen Neubau. Letzten Donnerstag war Richtfest. Einer meiner Kollegen hat einen Flugschein und schlug dem Professor vor, von dem Richtfest Luftbilder zu machen. Das fand der Chef toll und spendierte einen Rundflug mit ner kleinen Cessna. Als Fotograf kam ich zum Einsatz. War gutes Timing, denn nur zwei Tage vorher kam mein neues Teleobjektiv mit der Post.
Mein Kollege Felix (der Pilot) fragte mich, ob ich flugfest sei. "Ja klar" gab ich großspurig zu Protokoll und sollte eines Besseren belehrt werden.
Es war ein schöner sonniger Tag. "Viel Thermik, kann ein wenig ruckelig werden." Immer noch ahnte ich nichts Böses.
Kurz zum Fotografischen:
Ich habe eine Nikon D70s verwendet mit einem 70-300mm f3.5-5.6 AF-S VR Objektiv (mit Bildstabilisator also). Ich dachte vor dem Flug, da könnte ich den Stabilisator mal richtig gut verwenden (weitere Fehlannahme).
Das war unser Flieger, eine kleine alte Cessna:
Schon auf dem kurzen Anflug und nach ein paar Testschüssen merkte ich, dass das Fotografieren aus einem Flugzeug keine so einfache Sache ist. Es ruckelt und wackelt, und wenn man mit dem Tele unterwegs ist, wird es direkt schwieriger, weil das Ruckeln durch die lange Brennweite noch unterstützt wird. Der Bildstabilisator ist dabei genauso hilfreich wie ein Stück Toastbrot: Gar nicht.
Nach kurzer Flugzeit (ca. 4-5 min) passierten wir das Aachener Reitstadion,
das Wohnheim "Die Türme",
und schon waren wir da. Mit dem Flieger sind Distanzen auf einmal was ganz Anderes...
Wir erreichten den Neubau und Felix legte die Cessna in die Kurve. Teilweise flog er Steilkurven mit 70° Neigungswinkel, so dass ich fast senkrecht nach unten knipsen konnte. Diese Belastung war für mich nicht wirklich gewohnt und schon nach kurzer Zeit bekam ich ein flaues Gefühl im Magen.
Jedoch hielt ich tapfer weiter drauf und knipste ununterbrochen. An die genaue Einstellung der der Belichtungsparameter dachte ich nicht mehr.
Nach der fünften Runde über dem Neubau wurde mir dann doch recht übel. Aber, man(n) ist ja hart und sowieso aus Stahl und daher meinte ich auf Nachfrage des Piloten nur "Oooch, geht schon". Was gelogen war.
Wir flogen weiter fröhlich enge Kurven und der Pilot grinste sich einen, während ich zwei Ziele verfolgte:
1.) möglichst viele Bilder machen
2.) nicht kotzen.
Das einzige was ich beim Fotografieren variieren konnte, war ab und zu mal die Brennweite und der Wechsel zwischen Hoch- und Querformat. Zu mehr war ich nicht in der Lage.
Wir drehten knapp 10min (gefühlte 3 Tage) unsere Runden über dem Neubau. Insgesamt habe ich 200 Bilder gemacht, nach Aussortieren blieben 81 über. Da ich durch die Seitenscheibe des Fliegers knipsen musste, sind die Bilder nicht so knackig scharf, wie es mit dem Objektiv möglich wäre und manchmal mit einem leicht milchigen Schleier überzogen. Ein wenig schade, aber technisch eben nicht anders machbar.
Hier eine kleine Auswahl der Ergebnisse:
Hier ein Foto aus der eben erwähnten Steilkurve mit 70° Neigungswinkel:
Und das hier ist eine der besten Aufnahmen geworden. Eine schöne Gesamtansicht der Baustelle.
Beim Rückflug kam Felix noch auf die tolle Idee, über dem Haus vom Professor ein paar Runden zu drehen, um es zu fotografieren. Nach der ersten Runde protestierte ich.
Zum ersten mal seit dem Start schaute er mich direkt an. Und ich sah, wie seine Gesichtszüge entgleisten. "Oh... ich flieg wohl besser nur noch.... geradeaus und .... moderate Kurven. Moment, Kotztüte..." *kram*
Ich fühlte mich so richtig elend, mir war speiübel. Schön viel Frischluft ins Gesicht und nur noch geradeaus schauen, dabei an was Schönes denken. Und konzentrieren. Und bloss nicht kotzen !
Über Funk forderte er Priorität bei der Landung, da es "dem Gast nicht sonderlich gut geht", was von anderen Piloten in der Luft mit doofen Kommentaren quittiert wurde ("Hey, mach doch noch ein paar Rollen !").
Nach geglückter Landung torkelte ich aus dem Flieger, kreidebleich, und erholte mich auf festem Boden.
Fazit:
Die Belastung war für einen Fluganfänger extrem hoch. Normalerweise fliegt man mit Leuten wie mir nur sehr sanfte Kurven und vor allem macht man nicht 10-12 Schleifen am Stück.
Fotografisch habe ich gelernt, dass man in solch einer Situation mit vielen Dingen konfrontiert ist und nicht viel Aufmerksamkeit auf die Kameratechnik lenkt. Also: Vorher alles einstellen. Bildkomposition und genaues Anvisieren sind nur rudimentär ausführbar. Bei einem ruhigeren Rundflug läuft das besser denke ich.
Vor dem Flug dachte ich noch darüber nach, nen Polarisationsfilter zu verwenden, um die Scheibenreflektionen auszuschalten. Lol, vergesst es. Das Filter hätte ich für jedes Foto drehen und neu einstellen müssen. Dazu wäre ich nicht in der Lage gewesen.
Es war aber trotzdem ein tolles Erlebnis und ich danke Felix und unserm Professor für die Möglichkeit dazu.
Vielleicht bekomme ich mal die Möglichkeit, bei einem Flug mit dem Ultraleichtflieger als Fotograf dabei zu sein, der hat keine Fensterscheiben. Dann aber bitte nicht so viele Kurven !
Mein Kollege Felix (der Pilot) fragte mich, ob ich flugfest sei. "Ja klar" gab ich großspurig zu Protokoll und sollte eines Besseren belehrt werden.
Es war ein schöner sonniger Tag. "Viel Thermik, kann ein wenig ruckelig werden." Immer noch ahnte ich nichts Böses.
Kurz zum Fotografischen:
Ich habe eine Nikon D70s verwendet mit einem 70-300mm f3.5-5.6 AF-S VR Objektiv (mit Bildstabilisator also). Ich dachte vor dem Flug, da könnte ich den Stabilisator mal richtig gut verwenden (weitere Fehlannahme).
Das war unser Flieger, eine kleine alte Cessna:
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| Von 20080618 Luftbilder Rohbau Innotex |
Schon auf dem kurzen Anflug und nach ein paar Testschüssen merkte ich, dass das Fotografieren aus einem Flugzeug keine so einfache Sache ist. Es ruckelt und wackelt, und wenn man mit dem Tele unterwegs ist, wird es direkt schwieriger, weil das Ruckeln durch die lange Brennweite noch unterstützt wird. Der Bildstabilisator ist dabei genauso hilfreich wie ein Stück Toastbrot: Gar nicht.
Nach kurzer Flugzeit (ca. 4-5 min) passierten wir das Aachener Reitstadion,
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| Von 20080618 Luftbilder Rohbau Innotex |
das Wohnheim "Die Türme",
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| Von 20080618 Luftbilder Rohbau Innotex |
und schon waren wir da. Mit dem Flieger sind Distanzen auf einmal was ganz Anderes...
Wir erreichten den Neubau und Felix legte die Cessna in die Kurve. Teilweise flog er Steilkurven mit 70° Neigungswinkel, so dass ich fast senkrecht nach unten knipsen konnte. Diese Belastung war für mich nicht wirklich gewohnt und schon nach kurzer Zeit bekam ich ein flaues Gefühl im Magen.
Jedoch hielt ich tapfer weiter drauf und knipste ununterbrochen. An die genaue Einstellung der der Belichtungsparameter dachte ich nicht mehr.
Nach der fünften Runde über dem Neubau wurde mir dann doch recht übel. Aber, man(n) ist ja hart und sowieso aus Stahl und daher meinte ich auf Nachfrage des Piloten nur "Oooch, geht schon". Was gelogen war.
Wir flogen weiter fröhlich enge Kurven und der Pilot grinste sich einen, während ich zwei Ziele verfolgte:
1.) möglichst viele Bilder machen
2.) nicht kotzen.
Das einzige was ich beim Fotografieren variieren konnte, war ab und zu mal die Brennweite und der Wechsel zwischen Hoch- und Querformat. Zu mehr war ich nicht in der Lage.
Wir drehten knapp 10min (gefühlte 3 Tage) unsere Runden über dem Neubau. Insgesamt habe ich 200 Bilder gemacht, nach Aussortieren blieben 81 über. Da ich durch die Seitenscheibe des Fliegers knipsen musste, sind die Bilder nicht so knackig scharf, wie es mit dem Objektiv möglich wäre und manchmal mit einem leicht milchigen Schleier überzogen. Ein wenig schade, aber technisch eben nicht anders machbar.
Hier eine kleine Auswahl der Ergebnisse:
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| Von 20080618 Luftbilder Rohbau Innotex |
Hier ein Foto aus der eben erwähnten Steilkurve mit 70° Neigungswinkel:
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| Von 20080618 Luftbilder Rohbau Innotex |
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| Von 20080618 Luftbilder Rohbau Innotex |
Und das hier ist eine der besten Aufnahmen geworden. Eine schöne Gesamtansicht der Baustelle.
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| Von 20080618 Luftbilder Rohbau Innotex |
Beim Rückflug kam Felix noch auf die tolle Idee, über dem Haus vom Professor ein paar Runden zu drehen, um es zu fotografieren. Nach der ersten Runde protestierte ich.
Zum ersten mal seit dem Start schaute er mich direkt an. Und ich sah, wie seine Gesichtszüge entgleisten. "Oh... ich flieg wohl besser nur noch.... geradeaus und .... moderate Kurven. Moment, Kotztüte..." *kram*
Ich fühlte mich so richtig elend, mir war speiübel. Schön viel Frischluft ins Gesicht und nur noch geradeaus schauen, dabei an was Schönes denken. Und konzentrieren. Und bloss nicht kotzen !
Über Funk forderte er Priorität bei der Landung, da es "dem Gast nicht sonderlich gut geht", was von anderen Piloten in der Luft mit doofen Kommentaren quittiert wurde ("Hey, mach doch noch ein paar Rollen !").
Nach geglückter Landung torkelte ich aus dem Flieger, kreidebleich, und erholte mich auf festem Boden.
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| Von 20080618 Luftbilder Rohbau Innotex |
Fazit:
Die Belastung war für einen Fluganfänger extrem hoch. Normalerweise fliegt man mit Leuten wie mir nur sehr sanfte Kurven und vor allem macht man nicht 10-12 Schleifen am Stück.
Fotografisch habe ich gelernt, dass man in solch einer Situation mit vielen Dingen konfrontiert ist und nicht viel Aufmerksamkeit auf die Kameratechnik lenkt. Also: Vorher alles einstellen. Bildkomposition und genaues Anvisieren sind nur rudimentär ausführbar. Bei einem ruhigeren Rundflug läuft das besser denke ich.
Vor dem Flug dachte ich noch darüber nach, nen Polarisationsfilter zu verwenden, um die Scheibenreflektionen auszuschalten. Lol, vergesst es. Das Filter hätte ich für jedes Foto drehen und neu einstellen müssen. Dazu wäre ich nicht in der Lage gewesen.
Es war aber trotzdem ein tolles Erlebnis und ich danke Felix und unserm Professor für die Möglichkeit dazu.
Vielleicht bekomme ich mal die Möglichkeit, bei einem Flug mit dem Ultraleichtflieger als Fotograf dabei zu sein, der hat keine Fensterscheiben. Dann aber bitte nicht so viele Kurven !
chickenhawk - 21. Jun, 14:46








