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Dienstag, 25. April 2006

Segen

Die Konferenz hat heute offiziell begonnen, und neben den restlichen Aufbauten für unseren "Interactivity Chamber" konnte ich mir heute auch ein paar Vorträge anhören. Ich werde wohl in den nächsten Tagen hier auch ein paar Notizen zu den Vorträgen hinterlassen. Vielleicht interessiert es ja den ein oder anderen, ansonsten ist das eben nur eine Gedächtnisstütze für mich. :-)

Den Eröffnungsvortrag hielt Scott Cook von Intuit. Die Firma sagte mir vorher auch nichts, aber die machen einige recht erfolgreiche Steuer und Finanzmanagementprogramme, sowohl für Privatleute als auch für Firmen (z.B. "Quicken"). Der Talk hatte den Titel "Creating 'Game Changing' Innovation" und wie ich waren sicher noch mehr Leute skeptisch, ob sich ein so unsexier Bereich wie Steuererklärungen für dieses Thema eignet. Tatsächlich ging es um Produkte aus dem Hause Intuit und wie sich entstehen, aber nicht nur: Scott hat relativ weit ausgeholt und zunächst einige Beispiele dafür gebracht, wie Leute aus scheinbar festen Märkten neues Kapital schlagen und neue Nischen erschaffen konnten. So war die eigentliche Revolution der Schiffahrt im letzten Jahrhundert nicht der Bau immer schnellerer Schiffe, sondern die Einführung des Containertransports. Vorher wurden die Kisten tatsächlich mühsam einzeln auf die Schiffe geschafft und anschliessend wieder abgeladen. Durch Containertransport konnte man die Verladezeiten enorm verkürzen und letztlich eine Menge Zeit und Geld sparen. Der Mensch, dem diese Idee kam, war eigentlich Lastwagenfahrer und er ist mit einer einzigen Beobachtung (Schiffe entladen ist unnötig mühsam) reich geworden und hat die Schiffahrt (und damit den weltweiten Handel) revolutioniert. Es folgten noch einige weitere Beispiele, aber im Kern ging es immer wieder um eine Sache: Das größte Potential für echte Innovationen besteht darin, die Welt mit neuen Augen zu sehen und dazu auch alte Denkweisen loszuwerden. Eine gute Methoden dafür ist es, nicht nur im Büro oder Labor rumzusitzen und darüber zu diskutieren, was die eigenen Kunden (oder die Welt) möglicherweise brauchen könnte, sondern tatsächlich rauszugehen und es sich anzusehen. Damit rennt er er in einer Gemeinschaft von Leuten, die sich Benutzbarkeit von technischen Systemen auf die Fahnen geschrieben hat, natürlich offene Türen ein, aber es ist sehr interessant zu sehen, wie dies tatsächlich zur Firmenkultur von Intuit gehört und die Firma auch ganz klar davon profitiert.

Mein nächster Tag war "Peekaboom: A Game for Locating Objects in Images", wo es grob darum ging, dass zwei Leute ein Spiel spielen, in dem sie Objekte in Bilder finden, was man dann später als Trainigsmaterial für Computer Vision-Systeme nehmen kann. Das witzige hieran war, dass tatsächlich sehr, sehr viele Leute dieses Spiel gerne gespielt haben und hunderte, teilweise tausende von Bildern bearbeitet haben ohne wirklich etwas dafür zu bekommen. Eine von den Sachen, die man mal als Inspiration im Hinterkopf halten sollte.

Und dann gabs noch "A New Playground Experience: Going Digital?", wo ein paar Leute ein einfaches elektronisches System auf einem Spielplatz installiert haben und die Reaktionen der Kinder getestet haben. Das waren im Prinzip nur einige Druckmatten, die Pappscheiben zum Drehen brachten. Interessant waren hier die Beobachtungen dazu, was die Kinder daraus gemacht haben. Das Spielzeug war sehr einfach, aber die Kinder haben alle möglichen Sachen damit angestellt, auf die man vorher nicht gekommen wäre. Interessant hier inbesondere das Beobachten von Verhaltensmustern bei der Benutzung neuer Technologien.

Oh Mann, ich bin total müde, aber den Tag muss ich jetzt noch zu Ende bloggen. :-)

Abends haben wir dann den "Interactivity Chamber" eröffnet, für den ich mit verantwortlich bin. Von unserer Gruppe aus haben wir "iSymphony" gezeigt. Das ist ein System, bei dem man am Computer ein Orchester dirigieren kann. Das ist jetzt schon die vierte Ausgabe davon und eine recht nette Sache. Das fanden wohl auch die vielen, vielen Besucher, die heute Abend da waren und dirigiert haben. Das Feedback war ziemlich positiv, ich hab mir mächtig den Mund fusselig geredet, aber es hat wirklich Spass gemacht. Ich habe auch einige Leute kennengelernt, die teilweise ähnliche Sachen, teilweise aber auch ganz anderes Zeug machen. Sogar ein Zauberer, der an dem Abend noch auf der Konferenz performt hat, kam vorbei und hat sich eine Weile mit mir unterhalten.

Apropos Performance: Der berühmte Cirque du Soleil war auch hier und hat mit einigen recht coolen Nummern für gute Abendunterhaltung gesorgt. Ich habs aber leider nur halb mitbekommen, da ich unseren Stand bewachen musste.

Und ein Highlight war noch, dass ich Ben Shneiderman die Hand schütteln dürfte. Den kennt man warhscheinlich normalerweise nicht so, aber das ist wohl etwa so wie wenn man als Physiker Albert Einstein persönlich kennenlernt. Ich bin jetzt bestimmt voll gesegnet. :-)

Ereignisreicher Tag, aber ich hab das sehr genossen. Das ganze Umfeld hier ist total interessant, inspirierend und es ist super, ausnahmsweise mal unter einem Haufen seinesgleich zu sein und nicht wie sonst immer ein bischen als Außerirdischer betrachtet zu werden. In der Informatik sind wir nämlich sonst immer die, die sich viel mehr mit Menschen befassen als nur in Technikversessenheit zu versinken, und für alle anderen sind wir trotzdem die komischen Informatiker.

Trotzdem bin ich jetzt müde. Meine Zunge ist schwer vom vielen Reden und meine Füsse tun weh vom Latschen. Ich penn jetzt. Bis morgen!

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camel - 25. Apr, 12:20

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