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Datenschutz

Schon seit Jahren brodelt die Diskussion um den Datenschutz im Internet. Diese Diskussion habe ich bisher immer zwar interessiert, aber ohne echten Bezug zu dem Thema verfolgt - mir war selber bisher schlicht nie etwas passiert.

Das hat sich kürzlich geändert, und ich möchte diese Geschichte hier einmal dokumentieren, um anderen Leuten Mut zu machen, sich nicht alles gefallen zu lassen. Denn das kann ich schonmal vorwegnehmen: Die Geschichte war zwar ärgerlich, hat aber ein Happy End.

Im Sommer letzten Jahres wurde ich per Mail von einer Headhunterin kontaktiert, die mir eine Stelle im Raum Frankfurt anbot. Die Stelle passte nur so halb auf mein Profil, und auf Frankfurt hatte ich auch keine Lust. Also lehnte ich freundlich ab mit der Begründung, dass ich wenn überhaupt für Angebote aus der Region offen wäre.

Damit hätte die Sache eigentlich erledigt sein können - war sie aber nicht. Die Headhunterin war nämlich bei einer Personalvermittlungsagentur angestellt (deren Namen ich hier bewußt nicht nenne), und wie so viele Firmen verschickte auf diese zu Weihnachten pauschal an alle Leute, mit denen sie irgendwann mal was zu tun hatte, einen Weihnachtsgruß per E-Mail.

Dieser Weihnachtsgruß war inhaltlich komplett belanglos - ganz und gar nicht belanglos war aber, dass im "An"-Feld über 120 Personen im Klartext angeschrieben wurden, darunter auch zahlreiche Angestellte großer deutscher Firmen - für alle sichtbar. Ich bin normalerweise kein Erbsenzähler und hätte sowas in den meisten Fällen als blöden Fehler abgetan. Aber bei einer Personalvermittlung ist das etwas anderes. Jeder, der sich aus einer festen Anstellung heraus auf eine neue Stelle bewirbt weiß, dass man in so einer Situation sehr, sehr vorsichtig sein muss, damit keiner der aktuellen Kollegen Wind von der Sache bekommt. Selbst der Verdacht, dass sich jemand bewirbt, kann schon potentiell unangenehm werden, und der öffentliche Nachweis über einen Kontakt zu einer Personalvermittlungsfirma kann für unangenehme Fragen durchaus schon reichen.

Sofort bat ich per Mail um die Löschung meiner Daten. Darauf kam keine Antwort. Also fragte ich auch beim Landesamt für Datenschutz NRW (LDI) an, ob das denn so in Ordnung sei und ob man da nicht etwas gegen tun könnte. Einige Tage später meldete sich ein Sachbearbeiter, bestätigte klar, dass das nicht in Ordnung sei, und bot sich an, die Sache zu verfolgen. Ich sandte ihm also die Weihnachts-Mail als Beleg zu und wartete.

Zunächst passierte eine ganze Weile gar nichts, dann kam per Einschreiben(!) ein sehr, sehr wütender Brief vom Geschäftsführer der betreffenden Personalvermittlung, in dem er mir Denunziation vorwarf, den Fehler herunterspielte und um den Beleg bat, dass ich überhaupt um die Löschung meiner Daten ersucht hatte.

Ich habe ihm dann nochmal per Brief einen Ausdruck der Mail zugesandt, zusammen mit einem persönlichen Kommentar, dass ich das ganz und gar nicht für einen kleinen Fehler halte, schon gar nicht bei einer Personalvermittlung. Telefonisch habe ich dann auch nochmal mit dem zuständigen Sachbearbeiter beim LDI gesprochen, der mir sagte, dass er dem Unternehmen wohl eine offizielle Belehrung geschickt habe und daraufhin einen sehr wütenden Anruf bekommen habe. Für ihn sei die Sache damit aber erledigt.

Letzte Woche bekam ich dann auch von den Personalvermittlern die schriftliche Bestätigung, dass meine Daten jetzt gelöscht seien.

Fazit: Auch wenn ich schon oft genug persönliche Daten an Unternehmen weitergebe, so heißt das noch lange nicht, dass es mir egal ist, was damit passiert. Zwar gab es an das Unternehmen "nur" eine offizielle Belehrung, aber die wütenden Antworten zeigen mir, dass die Botschaft wohl angekommen ist. Sehr positiv fand ich bei der ganzen Geschichte übrigens das Verhalten des LDI, das ich als kompetent und hilfsbereit erlebt habe. Ich kann nach dieser Erfahrung nur empfehlen, sich nicht einfach alles gefallen zu lassen und zumindest mal bei den richtigen Stellen nachzufragen.

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