Auf Rezept
"Warte, ich hole mir gerade mal einen Stift."
Ich schaue ein wenig verwirrt, als mein Gegenüber aufsteht, um sich Stift und Papier zu holen und meine Worte von eben aufzuschreiben.
Dabei hatte ich gerade weder einen besonders guten Spruch gebracht, noch führte ich ein Interview. Ich erklärte ihm nur gerade, wie er an eine E-Mail ein Bild anhängen kann. Und mein Gegenüber wollte sich genau das aufschreiben - Schritt für Schritt, wie in einem Kochrezept.
Dabei ist mein Gegenüber weder besonders Computer-unerfahren, noch ist er ungebildet: Ein Mann in den 50ern, berufstätig, mit Hochschulabschluss.
Und dennoch pflegt er einen Stapel mit Blättern, auf denen fein säuberlich "Kochrezepte" für alltägliche Computer-Tätigkeiten aufgeschrieben sind: Eine E-Mail schreiben, eine Tabelle anlegen, ein Diagramm erstellen.
Es wäre zu einfach, dies nur als Marotte abzutun: Immer häufiger stoße ich auf Leute, die irgend etwas am Computer tun müssen, aber dies nur mit Kochrezepten schaffen.
Die Business-Variante davon sieht so aus: Eine Powerpoint-Präsentation, in dem auf jeder Seite ein Screenshot steht und mit Pfeilen markiert ist, wo man jetzt klicken muss, um zum nächsten Schritt zu kommen.
Das schlimme daran ist eigentlich nur, dass viele Leute so etwas mittlerweile völlig normal finden. Und das ist nicht nur deswegen ärgerlich, weil die Kochrezept-Leute ja auch mal lernen könnten, was denn der tiefere Sinn hinter dem ist, was sie da tun - sondern auch weil immer wieder Software eingesetzt wird, wo solches Kochrezept-Denken nötig ist.
Ich saß selber mal vor so einem Programm, an dem scheinbar nichts irgendeinen Sinn zu machen schien und ich irgendwann resigniert auch auf ein Kochrezept zurückgegriffen habe. Und ich bin immerhin Diplom-Informatiker! Das war wirklich ein erniedrigendes Erlebnis.
Die Lösung: Software muss eigentlich immer so gestaltet sein, dass man diese Kochrezepte nicht braucht und auch wirklich eine Chance hat zu verstehen, was man da tut. Auf der anderen Seite müssen viele auch lernen, dass die Bedienung von Computern mittlerweile eine Kultur-Technik ist.
Ich fürchte, das wird ein langer und steiniger Weg.
Ich schaue ein wenig verwirrt, als mein Gegenüber aufsteht, um sich Stift und Papier zu holen und meine Worte von eben aufzuschreiben.
Dabei hatte ich gerade weder einen besonders guten Spruch gebracht, noch führte ich ein Interview. Ich erklärte ihm nur gerade, wie er an eine E-Mail ein Bild anhängen kann. Und mein Gegenüber wollte sich genau das aufschreiben - Schritt für Schritt, wie in einem Kochrezept.
Dabei ist mein Gegenüber weder besonders Computer-unerfahren, noch ist er ungebildet: Ein Mann in den 50ern, berufstätig, mit Hochschulabschluss.
Und dennoch pflegt er einen Stapel mit Blättern, auf denen fein säuberlich "Kochrezepte" für alltägliche Computer-Tätigkeiten aufgeschrieben sind: Eine E-Mail schreiben, eine Tabelle anlegen, ein Diagramm erstellen.
Es wäre zu einfach, dies nur als Marotte abzutun: Immer häufiger stoße ich auf Leute, die irgend etwas am Computer tun müssen, aber dies nur mit Kochrezepten schaffen.
Die Business-Variante davon sieht so aus: Eine Powerpoint-Präsentation, in dem auf jeder Seite ein Screenshot steht und mit Pfeilen markiert ist, wo man jetzt klicken muss, um zum nächsten Schritt zu kommen.
Das schlimme daran ist eigentlich nur, dass viele Leute so etwas mittlerweile völlig normal finden. Und das ist nicht nur deswegen ärgerlich, weil die Kochrezept-Leute ja auch mal lernen könnten, was denn der tiefere Sinn hinter dem ist, was sie da tun - sondern auch weil immer wieder Software eingesetzt wird, wo solches Kochrezept-Denken nötig ist.
Ich saß selber mal vor so einem Programm, an dem scheinbar nichts irgendeinen Sinn zu machen schien und ich irgendwann resigniert auch auf ein Kochrezept zurückgegriffen habe. Und ich bin immerhin Diplom-Informatiker! Das war wirklich ein erniedrigendes Erlebnis.
Die Lösung: Software muss eigentlich immer so gestaltet sein, dass man diese Kochrezepte nicht braucht und auch wirklich eine Chance hat zu verstehen, was man da tut. Auf der anderen Seite müssen viele auch lernen, dass die Bedienung von Computern mittlerweile eine Kultur-Technik ist.
Ich fürchte, das wird ein langer und steiniger Weg.
marvis - 11. Okt, 21:17
6 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
Chickenhawk (Gast) - 13. Okt, 20:17
"Programm, wo scheinbar nichts einen Sinn macht und man auf Kochrezepte zurueckgreifen muss" => SAP ?
marvis - 14. Okt, 05:23
Daran dachte ich auch... :-)
Haferklee (Gast) - 19. Okt, 11:53
>>>Auf der anderen Seite müssen viele auch lernen, dass die Bedienung von Computern mittlerweile eine Kultur-Technik ist.<<<
Zu dieser Seite der Medaille siehe http://htwkbk.wordpress.com/2009/10/16/digital-natives-and-all-that/
Zu dieser Seite der Medaille siehe http://htwkbk.wordpress.com/2009/10/16/digital-natives-and-all-that/
Hallow - 29. Okt, 11:37
"Und ich bin immerhin Diplom-Informatiker!"
Wähhh. Was sollte uns das sagen?
Man kann Ihnen nur wünschen dass Sie zu den 5 Prozent der Diplomanten gehören die auch etwas auf dem Kasten haben.
Die passende Arroganz, siehe oben, deutet aber doch eher auf die restlichen 95 prozent hin.
Herzliches Beileid.
Wähhh. Was sollte uns das sagen?
Man kann Ihnen nur wünschen dass Sie zu den 5 Prozent der Diplomanten gehören die auch etwas auf dem Kasten haben.
Die passende Arroganz, siehe oben, deutet aber doch eher auf die restlichen 95 prozent hin.
Herzliches Beileid.
TheMerc (Gast) - 29. Okt, 11:56
Zumindest...
...bin ich sicher, dass er zu der Menge der Diplomanden gehört, die in der Lage sind, das Wort auch richtig zu schreiben. Dass Niveau zuweilen von unten wie Arroganz aussieht, bestätigt sich in Ihrem Kommentar leider erneut. Ich schlage also vor, dass Sie (und ich natürlich auch, denn ich mache es ja gerade nicht besser) die unsachlichen Beschimpfungen einfach schmunzelnd unterbleiben lassen.
marvis - 29. Okt, 20:12
@Hallow:
1. In diesem Blog wird nicht gesiezt! :-)
2. Ich glaube, du hast meinen Post falsch verstanden. Es ging mir eher um die umständliche Bedienbarkeit - und nur in zweiter Linie darum, dass Leute aus mangelnder Kenntnis Kochrezepte schreiben. Für mich sind die Software-Designer und -Entwickler die größeren Übeltäter.
1. In diesem Blog wird nicht gesiezt! :-)
2. Ich glaube, du hast meinen Post falsch verstanden. Es ging mir eher um die umständliche Bedienbarkeit - und nur in zweiter Linie darum, dass Leute aus mangelnder Kenntnis Kochrezepte schreiben. Für mich sind die Software-Designer und -Entwickler die größeren Übeltäter.

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