Ich bin leider gestern nicht mehr zum bloggen gekommen, deswegen jetzt die letzten zwei Tage im Überblick:
Morgens war ich zuerst in einer Session über "Novel Methods: Emotions, Gestures, Events". Es wurden verschiedene Paper vorgestellt, die sich um das Erfassen von emotionalen Reaktionen beim Benutzen von Systemen drehten. Dabei kamen z.B. Sensoren zum Einsatz, die die Anspannung verschiedener Gesichtsmuskeln maßen. Das ist wohl viel genauer als kamerabasiertes Arbeiten und trotzdem relativ einfach zu machen. Außerdem interessant: In einer Studie sollten die Benutzer ein Rennspiel spielen, und obwohl die daran wohl sehr viel Spass hatten (die haben Teenager-Jungs als Probanden genommen) war während des Spielens eine breite Palette von Emotionen zu beobachten, nicht nur Freude. Wenn der Spieler etwa einen Fehler gemacht hatte, dann ärgerte er sich natürlich darüber. Irgendwo ist es natürlich klar, dass Genuss nicht aus Nonstop-Freude besteht, aber es war cool, das mal ein bischen mehr auseinandergenommen zu sehen.
Mittags war dann Abbauen unseres Exponats angesagt, aber das lief relativ schnell und schmerzfrei, wenn man mal davon absieht, dass ich mich etwas mit einem Security-Menschen rumärgern musste. Der wollte mich partout nicht mehr in den Ausstellungsraum lassen, weil ich das falsche Bändchen hatte, obwohl das an den anderen Tagen nie ein Problem war. Also erstmal jemanden suchen, der bestätigen konnte, dass ich rein darf, und wieder zu ihm hin. Ich hasse sowas. :-(
Nachmittags gab es dann eine Diskussionsrunde zu der Frage, ob es nicht neben der Mensch-Maschine-Interaktion auch sowas wie Mensch-Information-Interaktion geben sollte, da die Inhalte, die über Computersysteme verbreitet werden, ja eigentlich viel wichtiger sind als die Geräte selber. Einige interessante Punkte gab es, aber auch viel Bla. Was ich daraus mitgenommen habe: System und Inhalte sind eigentlich eine Einheit, die man zusammen betrachten und auch untersuchen und bewerten muss. Nur das System ohne angemessene Inhalte zu untersuchen macht wenig Sinn.
Als Konferenzabschluss gab es dann nochmal einen besonders schönen Vortrag:
Scott McCloud erzählte über Geschichte, Hintergründe und aktuelle Entwicklungen von Comics. Nicht gerade ein Thema, das man typischerweise auf dieser Konferenz erwartet hätte, aber total interessant und unterhaltsam aufbereitet. Von dem muss ich mir mal ein Buch zulegen, glaube ich. :-)
Abends bin ich dann mit Nils und Jonathan zur Party für die studentischen Helfer der Konferenz gegangen. Da gehörte ich zwar eigentlich nicht zu, aber es störte sich auch niemand an meiner Anwesenheit. War recht lustig, aber ich konnte leider den Wein von seiner alkoholischen Schlagkraft her nicht so wirklich einschätzen und bin dann relativ früh mit dem Taxi nach Hause. Es war zwar nicht schlimm, aber ich war einfach zu platt, um noch echt zu feiern. Schade.
Heute morgen schlafe ich erstmal aus. Eric verschwindet gegen 10, um sich mit einem Freund seiner Eltern zu treffen. Ich gehe dafür mit Daniel ins bereits erwähnte "Eggspectations" frühstücken. Da gibts wirklich alles mit Eiern, aber sehr leckeres Zeug. Mjam! :-)
Danach treffen wir uns mit Jan und Jonathan und gehen uns den Hafen angucken. Der liegt mitten in der Altstadt von Montréal, und ist wirklich nett. Im Gegensatz zum Rest der Stadt, wo Hochhäuser dominieren, wirkt dieser Teil recht gemütlich. Viel erinnert auch eher an Frankreich als an eine amerikanische Großstadt, wie der Rest. Allerdings hat man manchmal schon den Eindruck, dass irgendwann mal ein Kanadier durch Europa gereist ist und dann hier alles irgendwo eingebaut hat, was er cool fand. Wir sehen sogar einen Turm, der dem Londoner Big Ben ziemlich ähnlich sieht.
Anschliessend klettern wir auf den "Mont Royal", das ist ein Berg, der mitten in der Stadt liegt. Das ist zwar etwas anstrengend, aber von oben hat man einen herrlichen Blick über die Stadt und ein bischen laufen tut durchaus gut.
Als wir wieder unten sind trennen wir uns und ich gehe Platten shoppen. Zuerst gehe ich in einen kleinen Second Hand-Laden nahe bei meinem Hotel. Ich finde aber nicht wirklich viel, was mich interessiert, und der Laden war auch irgendwie komisch aufgemacht. Ich bleibe also nicht lange und gehe weiter zu einem anderen Laden, den ich mir im Netz rausgesucht habe. Nach einigem Suchen finde ich ihn auch und treffe einen netten kleinen Vinylshop an. Der Verkäufer ist ziemlich nett, und ich frage ihn explizit nach kanadischen Künstlern, da man das hier ja nicht so mitbekommt. Er sucht mir ein ein paar Platten raus und es sind auch wirklich einige gute Sachen dabei. Die werde ich wohl in meiner nächsten Radiosendung verbasteln. Ich gehe danach noch in einen anderen Plattenladen, wo ich ebenfalls nach kanadischen Künstlern frage. Auch hier ist man sehr freundlich, aber was mir der Verkäufer raussucht ist mir größtenteils etwas zu glatt. Ich kaufe ein paar Scheiben, aber der erste Laden traf mehr meinen Geschmack.
Als ich meine Kollegen wiedertreffe erfahre ich, dass in der Zwischenzeit Jans Kamera gestohlen wurde, während er einen Kaffee getrunken hat. Das war leider ein ziemlich teures Teil, eine digitale Spiegelreflexkamera mit zwei zusätzlichen Objektiven. Sehr ärgerlich! Eine Sicherheitskamera hat den Diebstahl zwar aufgezeichnet, aber man kann den Dieb wohl nicht so richtig erkennen. Jan meint, dass es sein kann, dass seine Versicherung das übernimmt, aber er ist sich nicht sicher.
Das trübt natürlich die allgemeine Stimmung etwas, aber wir gehen trotzdem noch in ein Café, wo eine Jazz-Band spielt. Die waren echt nicht schlecht, aber wir waren eigentlich schon zu müde, um das wirklich geniessen zu können. Wir gehen noch ein bischen spazieren und dann in unsere Hotels. Aber so komme ich jetzt wenigstens noch zum bloggen. :-)
Morgen hab ich den Tag über noch Zeit, ein wenig in der Stadt rumzulaufen und abends gehts dann im Flieger zurück nach Hause. Leider habe ich 4 Stunden Wartezeit in London, aber passt schon.
Bin also bald wieder bei euch allen. :-)