Immer und immer wieder werde ich höchst verwundert angestarrt, wenn ich erzähle, dass ich (fast) kein Fernsehen gucke. Unheimlich viele Leute können sich das überhaupt nicht vorstellen und stempeln mich deswegen als Sonderling ab. Grund genug, dazu mal ausführlich Stellung zu nehmen.
Wie viele aus meiner Generation bin ich mit dem Fernsehen aufgewachsen. Seit es Mitte der 80er Privatfernsehen in Deutschland gab, verbrachte ich einen Großteil meiner Zeit damit, trashige amerikanische Serien wie Knight Rider, Airwolf oder MacGuyver zu sehen. Daran änderte sich zunächst auch nicht viel, als der Rechner mehr und mehr zu meinem Lieblingsspielzeug wurde. Ich schaute dadurch vielleicht etwas weniger fern als mancher Altersgenosse, aber immer noch genug. Als Schüler hat man ja massig Zeit, die irgendwie vertrödelt werden will.
In mein Studentenzimmer habe ich dann meinen Fernseher nicht mehr mitgenommen. Das hatte natürlich mit fehlendem Platz zu tun, aber ich dachte mir ja, ich könne immer noch über den Rechner gucken. Das tat ich auch gelegentlich, aber immer seltener. Gerade im Studentenleben gab es mehr als genug wichtiges und interessantes, dass ich prima ohne Fernsehen leben konnte. Und wirklich entspannen kann ich mich eh viel besser mit geschlossenen Augen.
Als ich dann anfing zu arbeiten war das Fernsehen eigentlich endgültig für mich gestorben. Ich weiss eh nie, wann genau ich denn jetzt nach Hause komme. Bestimmte Sendungen einzuplanen wäre einfach Blödsinn, außer sie beginnen erst spät.
Außerdem hat das klassische Fernsehen zwei Eigenschaften, die mich ganz besonders stören.
1. Starre Sendezeiten: Der heissersehnte Film fängt um 20 Uhr an, aber ich komme erst um 20.30 Uhr nach Hause? Tja, da habe ich wohl Pech gemacht.
2. Werbung: Ja, ich weiss, sie ist nötig, um das Free-TV zu finanzieren. Aber sie geht mir trotzdem mächtig auf den Zeiger.
Trotz allem mag ich natürlich nach wie vor gute Filme, gelegentlich sogar mal Serien. Aber mittlerweile gibt es doch genug Möglichkeiten, da ran zu kommen ohne sich mit o.g. Nachteilen abfinden zu müssen. Die nächste Videothek ist quasi um die Ecke, und ein Film meiner Wahl ohne Werbung und in guter Qualität kostet da gerade mal 2-3 €. Für den kleinen Entertainment-Snack zwischendurch gibt es
YouTube & Co. Und sollte ich wirklich mal irgendwann am Arsch der Welt leben, so kann ich mir DVDs immer noch per Post günstig ausleihen.
Angesichts dieser Möglichkeiten würde ich den Spieß sogar umdrehen: Warum sehen Leute noch fern? Gute Unterhaltung ist mittlerweile günstig und einfach zu bekommen, und so oft wie ich Leute über das Fernsehprogramm meckern höre kann es doch so toll auch nicht sein.
Warum werde ich trotzdem immer noch wie ein Auto angesehen, wenn ich mich als Nicht-Fernseher oute?
Und um es klar zu stellen: Wenn ich wirklich fernsehen will, dann kann ich das auch. Ich habe einen DVB-T-Empfänger für meinen Mac, damit kann ich jederzeit gucken, wenn ich will. Dass ich das jedoch das letzte Mal getan habe ist Wochen, wenn nicht Monate, her.