Technik

Sonntag, 11. Oktober 2009

Auf Rezept

"Warte, ich hole mir gerade mal einen Stift."

Ich schaue ein wenig verwirrt, als mein Gegenüber aufsteht, um sich Stift und Papier zu holen und meine Worte von eben aufzuschreiben.

Dabei hatte ich gerade weder einen besonders guten Spruch gebracht, noch führte ich ein Interview. Ich erklärte ihm nur gerade, wie er an eine E-Mail ein Bild anhängen kann. Und mein Gegenüber wollte sich genau das aufschreiben - Schritt für Schritt, wie in einem Kochrezept.

Dabei ist mein Gegenüber weder besonders Computer-unerfahren, noch ist er ungebildet: Ein Mann in den 50ern, berufstätig, mit Hochschulabschluss.
Und dennoch pflegt er einen Stapel mit Blättern, auf denen fein säuberlich "Kochrezepte" für alltägliche Computer-Tätigkeiten aufgeschrieben sind: Eine E-Mail schreiben, eine Tabelle anlegen, ein Diagramm erstellen.

Es wäre zu einfach, dies nur als Marotte abzutun: Immer häufiger stoße ich auf Leute, die irgend etwas am Computer tun müssen, aber dies nur mit Kochrezepten schaffen.

Die Business-Variante davon sieht so aus: Eine Powerpoint-Präsentation, in dem auf jeder Seite ein Screenshot steht und mit Pfeilen markiert ist, wo man jetzt klicken muss, um zum nächsten Schritt zu kommen.

Das schlimme daran ist eigentlich nur, dass viele Leute so etwas mittlerweile völlig normal finden. Und das ist nicht nur deswegen ärgerlich, weil die Kochrezept-Leute ja auch mal lernen könnten, was denn der tiefere Sinn hinter dem ist, was sie da tun - sondern auch weil immer wieder Software eingesetzt wird, wo solches Kochrezept-Denken nötig ist.

Ich saß selber mal vor so einem Programm, an dem scheinbar nichts irgendeinen Sinn zu machen schien und ich irgendwann resigniert auch auf ein Kochrezept zurückgegriffen habe. Und ich bin immerhin Diplom-Informatiker! Das war wirklich ein erniedrigendes Erlebnis.

Die Lösung: Software muss eigentlich immer so gestaltet sein, dass man diese Kochrezepte nicht braucht und auch wirklich eine Chance hat zu verstehen, was man da tut. Auf der anderen Seite müssen viele auch lernen, dass die Bedienung von Computern mittlerweile eine Kultur-Technik ist.

Ich fürchte, das wird ein langer und steiniger Weg.

Dienstag, 21. Juli 2009

Digitaler Rettungsreifen

Einer der Gründe, warum mein digitales Ego in letzter Zeit etwas stiller geworden ist, liegt darin, dass ein bevorstehender Umzug mich im Moment ein wenig auf Trab hält. Die neue Wohnung ist nur um die Ecke, und natürlich größer, schöner, toller und alles! Aber wie so ein Umzug nunmal ist, ist sowas eben auch echt stressig.

Da kann ich so eine Aktion wie die von meinem Internet-Provider heute gar nicht brauchen: Der hat meinen Umzugsantrag dermaßen gründlich in den Sand gesetzt, dass ich es immer kaum noch glauben kann. Die Langversion dieser Geschichte teile ich gerne bei einem Bier - und dafür habe ich in den nächsten Wochen umso mehr Zeit, weil ich kein Internet haben werde.

Doch zum Glück habe ich hier noch diesen kleinen, weißen Rettungsring, den ich schon zu Unrecht getadelt hatte. Der dürfte in den nächsten Wochen sowas wie mein digitaler Rettungsreifen werden - und es ist irgendwie interessant, wie schnell so ein Sinneswandel gehen kann.

Sonntag, 5. Juli 2009

Fonic Surf Stick - Produkttest

Ich mache zur Zeit bei einem Produkt-Test mit:
trnd lässt mich für ein paar Wochen den Surf-Stick von Fonic testen, mit dem ich (theoretisch) von überall her ins Internet gehen kann.

Im Prinzip ist das auch eine ganz nette Sache: Man erwirbt einmal den Stick für 80 € und zahlt dann bei Bedarf 2,50 € für eine Tages-Flat - aber nur, wenn man sie auch braucht. Ich muss für den Test natürlich nichts zahlen, aber es beschwert sich garantiert niemand, wenn ich das Ding hinterher auch kaufe.

Internet überall klingt erstmal fantastisch - funktioniert aber in der Praxis leider nicht ganz so gut, wie man sich das vorstellt. Wirklich interessant wäre das für mich nämlich nur für 2 Szenarien:

1. Im Zug - aber nur wenn es da kein T-Mobile WLAN gibt (das kann ich nämlich durch meinen iPhone-Vertrag sowieso kostenlos nutzen)
2. Zum Arbeiten, damit ich hier flexibel bin (in meiner Firma ist Home-Office möglich)

Das mit dem Zug hatte sich relativ schnell erledigt: Auf der Fahrt im Thalys von Köln nach Aachen hatte ich alle 3 Minuten Verbindungsabbrüche und war mehr mit der Software beschäftigt als mit der tatsächlichen Internet-Nutzung. Ich vermute mal, dass das nicht an dem Stick selber, sondern an Mobilfunknetzen in Zügen generell liegt - nützlicher wird es dadurch aber auch nicht.

Und was das Arbeiten von überall her angeht: Spätestens wenn ich den VPN-Client anknipse (was ich muss, um ins Firmennetz zu kommen) wird das Ganze so unerträglich langsam, dass es auch keinen Spaß mehr macht.

Zum Ende des Produkttests kann ich den Stick günstig kaufen - werde es aber wohl nicht machen. Schade, denn eigentlich ist das Angebot eine gute Idee. Die Installation ist easy, die Preise vertretbar und transparent. Aber solange Mobilfunknetze noch derart vor sich hin schnecken macht das einfach keinen Spaß. Das dürfte bei anderen Netzprovidern nicht anders sein, aber mir ist dadurch erst klar geworden, dass DSL-Geschwindigkeit für mich mittlerweile das erträgliche Minimum ist. Damit bin ich also doch wieder auf WLANs angewiesen - aber zum Glück gibts die mittlerweile ja auch fast überall.

Übrigens ist die Produktpräsentation des Produktmanagers von Fonic ein schönes Stück Realsatire. Das sollte er in Zukunft besser anderen überlassen.



Update: Netterweise darf ich den Stick jetzt doch kostenlos behalten.

Samstag, 3. Januar 2009

Fernsehen per Internet

Vor einer Weile habe ich ja bereits ausgiebig erläutert, wie wenig ich mit klassischem TV anfangen kann. Da ich aber trotzdem gerne gute Filme und Serien schaue habe ich mich mal nach Alternativen umgesehen:

Die offensichtlichste Alternative ist natürlich die DVD, die ich auch schon ausgiebig nutze. So bin ich mittlerweile großer Fan der Serie Lost geworden und habe mich mit DVDs immerhin schon bis ans Ende der 4. Staffel vorgearbeitet.

Nicht schlecht, wenn auch ein bißchen teuer, ist der iTunes Store, in dem es mittlerweile auch TV-Serien gibt. Das funktioniert rein technisch schon ziemlich gut und ist wirklich angenehm und komfortabel. Auch hier habe ich schon einiges gekauft. Schwachpunkte hier sind leider die vergleichsweise hohen Kosten (häufig zahlt man für eine Serien-Staffel mehr als für DVD) und das Angebot, das zwar schon nicht schlecht ist, aber immer noch hinter der DVD her hinkt.

Video-Plattformen wie YouTube waren bisher ja eher für den kleinen Video-Hunger gedacht. Für das obligatorische Dinner for One zu Silvester reichte es aber dann doch.

Nun gibt es seit November das Angebot MSN Movies, über das man kostenlos und unkompliziert Spielfilme und Serien schauen kann. Börgi und ich haben das heute mal ausprobiert:

Das Video-Angebot ist noch vergleichsweise übersichtlich und besteht größtenteils aus Filmen, die man wahrscheinlich aus gutem Grund verpasst hat. Dennoch findet man ein paar Perlen im Angebot, und so haben wir uns zuerst für Chasing Amy entschieden. Nicht schlecht gestaunt haben wir dann als wir folgende Fehlermeldung bekamen:
Öffnungszeiten für MSN Movies
Öffnungszeiten für Webseiten wurden meines Wissens zwar vor einigen Jahren mal von einigen ahnungslosen Politikern gefordert, aber ich dachte eigentlich, dass niemand diese saublöde Idee wirklich umsetzt...

Etwas zähneknirschend entschieden wir uns dann für "Lost in Space", den wir auch tatsächlich schon zur Mittagszeit gucken durften. Das klappte erstmal auch erstaunlich gut: Das Video ließ sich direkt starten, die Bildqualität war gut und auch einen Vollbildmodus gibt es.

Wirklich lächerlich war aber die Werbung im Video: Alle paar Minuten wurde das Video kurz unterbrochen, und es lief ein Werbeclip für MSN, in dem südamerikanische Strandschönheiten ihre Hintern in die Kamera hielten und für die sonstigen Angebote der Videoplattform von MSN warben. Nur damit wir uns nicht falsch verstehen: Es gab nur diesen einen Werbeclip, und man sah alle paar Minuten immer denselben.

Dass sich so ein Angebot über Werbung finanziert finde ich grundsätzlich natürlich völlig ok, aber in dieser Art zeigt mir das einfach nur, dass MSN bisher noch keine Werbekunden finden konnte und mich stattdessen völlig unnötigerweise alle paar Minuten mit Eigenwerbung belästigt.

Ich finde das eigentlich sehr schade, denn ich halte werbefinanziertes Free TV über Internet eigentlich für eine gute Idee. In dieser Form dürfte das allerdings keine große Zukunft haben. Ich hoffe, dass MSN (oder jemand anders) das mal ordentlich anpackt, gute Filme anbietet und damit das klassische Fernsehen mal ordentlich in den Hintern tritt. Denn eins zeigt MSN Movies schon recht deutlich: Von der technischen Seite ist es mit heutiger Technologie durchaus möglich, ein web-basiertes Free-TV anzubieten.

Donnerstag, 1. Januar 2009

Y2K-Bug Reloaded

Erstmal frohes neues Jahr euch allen! Ich hoffe, ihr seid allesamt gut reingekommen.

Nachdem ich heute erstmal ausgeschlafen und die gröbsten Katerspuren beseitigt hatte, fühlte ich mich beim morgendlichen Nachrichtenleseritual ein wenig in der Zeit zurückversetzt:

Das Zune-Problem heute erinnerte mich direkt an den ganzen Trara, der um das Jahr 2000-Problem gemacht wurde. Wir erinnern uns: Damals dachten alle, uns fliegt die gesamte Technik um die Ohren, weil ein paar Programmierer zu faul waren, genug Speicher für Jahresdaten vorzusehen.

Dass zum heutigen, eher harmlosen Jahreswechsel direkt ein paar tausend MP3-Player ausfallen ist schon irgendwie lächerlich, aber vermutlich leider kein Einzelfall: Als ich heute morgen mein XING-Profil wegen Jobwechsel aktualisieren wollte, konnte ich das neue Jahr noch nicht als Startdatum für meine neue Stelle auswählen. Wahrscheinlich ist man auch dort vom völlig überraschenden Eintreffen des neuen Jahres total überrollt worden...

Achja, falls ihr euch über den Jobwechsel wundert: Wer in letzter Zeit Kontakt zu mir hatte, der weiß wahrscheinlich eh bescheid. Alle anderen fragen am besten per Mail nach.

Samstag, 8. November 2008

Marvis twittert

Wenn ich mit Leuten über Twitter rede, dann habe ich immer Schwierigkeiten zu erklären, was das überhaupt ist, geschweige denn wofür es gut ist. Der praktische Nutzen erschöpft sich vermutlich darin, dass man damit von Veranstaltungen berichten oder sich Massen-SMS sparen kann.

Twitter ist letztlich ein Blogging-Dienst, mit dem man nur 140 Zeichen pro Nachricht zur Verfügung hat. Da kann man sich zurecht fragen, wozu das gut sein soll. Und dennoch ist Twitter mittlerweile sehr populär - es gab sogar schon die erste Twitter-Lesung.

Tatsächlich ist Twitter eine grandiose Möglichkeit zur Zeitverschwendung - und trotzdem habe ich mir jetzt auch einen Account angelegt. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob ich das wirklich auf Dauer nutzen will, aber gerade auf dem iPhone ist das wirklich lustig, wenn sich die Twitter-Nutzer aus der unmittelbaren Umgebung ansehen kann. Wer mal lesen will, was ich so mache:

www.twitter.com/marvis



Sonntag, 12. Oktober 2008

Alte und neue Äpfel

Mein iPhone ist endlich da und in Betrieb! Und es ist wunderschön! Ein paar Anwendungen habe ich schon installiert, aber ich muss wohl erst noch ein paar Tage damit rumspielen, bis ich meinen Stil damit gefunden habe. Ich glaube aber, dass wir gute Freunde werden.

Gleichzeitig geht mein altes iBook (das in der Zwischenzeit von Börgi genutzt wurde) jetzt endlich mal zu eBay. Ist noch voll in Ordnung, also wenn jemand noch eins braucht:

Sonntag, 14. September 2008

iFön

Letzte Woche habe ich mir endlich das lang ersehnte iPhone bestellt, auf das ich schon lange scharf bin. Wirklich nutzen kann ich es wohl erst, wenn am 10.10. mein Base-Vertrag ausläuft, aber zur Sicherheit habe ich es eben früh genug bestellt.

Wirklich interessant finde ich aber auch hier mal wieder die Reaktionen meiner Mitmenschen:
Die, die selber schon eins haben, quittieren es meistens mit einem wissenden Lächeln, wenn ich Ihnen davon erzähle.

Die, die zwar eines haben, aber es sich sonstwie besorgt und dann gehackt haben, nutzen dabei ein eher eher hämisches Lächeln, weil sie der Meinung sind, das sei doch bei T-Mobile völlig überteuert.

Außerdem gibt es da noch die Leute, die schon ein anderes Smartphone nutzen. Gerade die Blackberry-Nutzer weisen dabei häufig darauf hin, dass man doch auf dem iPhone gar keine richtige Tastatur hat. Stimmt auch, wenn man viel tippt, dann ist so ein Blackberry wahrscheinlich wirklich die bessere Wahl, aber es fehlt ihm halt der Sabber-Habenwill-Faktor.

Und dann gibt es natürlich noch die, die bisher "nur" ein ganz normales Handy nutzen, das iPhone völlig überteuert finden und mobiles Internet komplett unnötig finden. In diesem Fall frage ich gerne mal danach, wie denn vor 10 Jahren ihre Meinung zu Handies im Allgemeinen war. Mit recht hoher Wahrscheinlichkeit hielten sie nämlich vor 10 Jahren Handies allgemein für schwanzverlängernde Nutzlosigkeiten, und geben sich anschließend geschlagen, weil sie den Nutzen mittlerweile natürlich doch eingesehen haben.

Ich freue mich auf jeden Fall darauf, bald immer online sein zu können, und ich bin mir sicher, dass es mein Leben besser machen, mich zu einem glücklicheren Menschen werden und den Weltfrieden in erreichbare Nähe rücken lassen wird. Und wenn nicht, dann kann ich es ja immer noch mixen.

Sonntag, 30. Dezember 2007

Absturzgefährdete Fahrkartenautomaten


Vor ein paar Tagen habe ich zufällig rausgefunden, wie man einen Bahn-Fahrkartenautomaten (die mit Touchscreen) zum Absturz bringen kann. Am örtlichen Automaten funktioniert das reproduzierbar, daher vermute ich mal, dass das auch anderswo so klappt.

Das geht eigentlich ganz einfach:
Man geht einfach im Hauptmenü in "Tarifinfo" und dann "DB Nachtzug". Da kommt dann direkt eine Windows(!)-Fehlermeldung, die einem "Yes", "No" und "Cancel" (soll wohl in einen Debug-Mode führen) anbietet. Klickt man auf "Cancel", dann stürzt die Software ab und erholt sich anscheinend auch nicht von selbst wieder.

Ich will hier niemanden zur Sabotage von Ticketautomaten anstiften, denn es kann wirklich ärgerlich sein, wenn man sich darauf verlässt und er dann nicht funktioniert, aber dass die Benutzung eines ganz normalen Menüpunkts zum Absturz führt finde ich schon irgendwie arm.

Mittwoch, 21. November 2007

Technische Aura

Manche Leute können mit Gedankenkraft Löffel verbiegen, ich kann allein durch Handauflegen elektronische Geräte reparieren.

Das habe ich heute mal wieder bewiesen, als mir von einer höchst besorgten Kollegin von einer widerspenstigen Videokamera berichtet wurde, die immer wieder von selbst aus ginge, wenn sie dies nicht solle. Da diese Kamera natürlich mindestens für die Bevölkerung Westeuropas von lebensnotwendiger Bedeutung war ging ich also persönlich zu ihr, um mich mal ein wenig mit ihr zu unterhalten.

Am Ort des Geschehens angekommen schien die Situation friedlich. Die Kamera tat brav ihren Dienst, ging nicht von selber aus und schnurrte sogar, als ich sie unter dem Objektiv kraulte. Fast 1,5 Stunden spielte ich mit dem possierlichen Tierchen und überzeugte mich nebenbei von der technischen Unversehrtheit.

Natürlich eilte ich dann direkt zu meiner Kollegin zurück, um ihr die frohe Kunde zu überbringen. Die verstand zwar die Welt nicht mehr, dankte mir jedoch und ging weiter ihrem Tagewerk nach.
Und wenn die Kamera nicht gestorben ist, dann filmt sie wohl immer noch.

Warum lässt sich nicht jedes Problem so leicht beheben?

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